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Hilde Spiel und ihre Freunde am Wolfgangsee

Hilde Spiel und Heimito v. Doderer

Hilde Spiel und Heimito v. Doderer C: OENB

 „WOLFGANGSEE LITERATUR“ 2009

HILDE SPIEL UND IHRE FREUNDE AM WOLFGANGSEE

Programm: 19. bis 21. Juni 2009 

Veranstaltungsort: Literatenpark am Wolfgangsee Ferienhort Ried 1; 5360 Ried bei St. Wolfgang Bei Schlechtwetter im angrenzenden Festsaal

DIE WOLFGANGSEE REGION – KREATIV-REFUGIUM FÜR KÜNSTLER

Die Region um St. Wolfgang hat und hatte seit jeher eine besondere Anziehungskraft auf Kunst- und Kulturschaffende.  Für Alexander Lernet-Holenia und seine Schriftstellerfreunde Hilde Spiel und Leo Perutz war St. Wolfgang zweite Heimat und Kreativ-Refugium zugleich. Lernet-Holenia und Hilde Spiel lebten hier in eigenen Landvillen. Leo Perutz war über viele Jahre Stammgast im sommerlichen St. Wolfgang – nur unterbrochen durch die Zeit im israelischen Exil. An seinem Roman „Nachts unter der steinernen Brücke“ hat Leo Perutz hier intensiv gearbeitet. Hilde Spiels „Verwirrung am Wolfgangsee“ und „Der Baumfrevel“ ist durch die Region stark beeinflusst. In den Fünfzigern war Hilde Spiels Sommerhaus geistiger Mittelpunkt und „Literarischer Salon“: Heimito von Doderer, Thomas Bernhard, Friedrich Torberg und viele andere Künstler und Gäste versammelten sich hier und erfreuten sich am Wolfgangsee. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts verbrachte Marie von Ebner-Eschenbach über 10 Jahre lang ihre Sommer in St. Gilgen und war begeistert von der prachtvollen Umgebung, die sie zu zahlreichen Werken angeregt hat.

„Wolfgangsee Literatur“ – steht für literarische Aktivitäten rund um den Wolfgangsee, mit dem Ziel, das in der Region entstandene künstlerische Erbe zu wahren, die hier heimisch gewordenen Literaten und deren Werke im Licht der Öffentlichkeit zu behalten und letztendlich die Kraft der Literatur den Menschen nahe zu bringen.  Lesungen aus den Briefwechseln von Hilde Spiel mit dem Schriftsteller Heimito von Doderer, dem Komponisten Eric Zeisl und aus den Romanen von Heimito von Doderer umfassen das Programm 2009.  Chris Lohner, Schauspielerin und Bestsellerautorin und die Burgschauspieler Robert Reinagl und Detlev Eckstein gestalten die Lesungen.  Jochen Hieber, Literaturkritiker und Feuilletonredakteur der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“, Wolfgang Pfarl, Manager und Initiator „Wolfgangsee Literatur“ und Karin Wagner, Musikerin, Musikwissenschafterin und Autorin gestalten die Einführung und die Vorstellung der Künstler.   Die Detailinformationen zum Programm 2009 finden Sie bitte nachstehend in diesem Dokument. Pressefotos zum Download: www.seeliteratur/Presse Die Website (www.seeliteratur.at) informiert Sie weiters über Hintergründe, Zielsetzungen, Aktivitäten, aktuelle Veranstaltungen und gewährt einen tieferen Einblick in das Leben und Werk der Literaten und deren Bezug zur Wolfgangseeregion.

PROGRAMM „WOLFGANGSEE LITERATUR“ 2009

HILDE SPIEL UND IHRE FREUNDE AM WOLFGANGSEE

Freitag, 19. Juni 2009, 19.00 Uhr  Süchtig nach der Strudlhofstiege 
Hilde Spiels „passionierte Apologie“ des Heimito von Doderer  

Chris Lohner, Schauspielerin und Bestsellerautorin 
Jochen Hieber, Literaturkritiker und Feuilletonredakteur der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“.  

Zeit ihres öffentlichen Schreiblebens war Hilde Spiel die entschiedene Anwältin einer „literarischen Weltfamilie“: Schriftsteller unterschiedlichster Herkunft, Stillagen und ästhetischer wie thematischer Eigenart fanden in ihr eine kundige Chronistin und hellsichtige Interpretin. Von 1951 an aber besaß diese Familie auch einen unantastbaren Patriarchen: Heimito von Doderer. Sie wolle und werde, notierte Hilde Spiel damals, künftig nur „Gutes“ über ihn schreiben – und dies „sooft ich kann“. Äußerer Anlass für diese publizistische Selbstverpflichtung war das Erscheinen von Doderers Roman „Die Strudlhofstiege“. Wie aber sahen ihre inneren Beweggründe aus? Im Wechsel aus Rezitation – Chris Lohner liest Texte von Hilde Spiel – und Jochen Hiebers kommentierenden Erläuterungen wird eine Antwort auf diese Frage versucht. Mitzuerleben ist dabei auch die Dynamik einer wechselseitigen Anziehung zweier Repräsentanten der österreichischen und deutschsprachigen Nachkriegsliteratur, deren Werdegang und Weltanschauung auf den ersten Blick nicht verschiedenartiger hätten sein können.

Samstag, 20. Juni 2009, 19.00 Uhr  Heimito von Doderer und der Rittmeister Eulenfeld Spurensuche am Wolfgangsee
Wolfgang Pfarl, Manager, Initiator „Wolfgangsee Literatur“ 

Robert Reinagl, Burgschauspieler  

Den Lesern der Hauptwerke von Heimito von Doderer, der „Strudlhofstiege“ und den „Dämonen“, ist der Rittmeister Eulenfeld ein Begriff. Wie immer bei Doderer war eine reale Person die Vorlage zu dieser Romanfigur. Es war der ‚Reichsdeutsche’ Otto von Dressel, den der Dichter faszinierend fand: ein Feschak, der in Wien mit flotten Sprüchen und eigenem Sportauto Furore machte, stets von einem Damenflor umgeben war, immer unternehmungslustig, in geschäftlichen Dingen aber nicht immer seriös. Nach sechs Jahren trennten sich die Wege der beiden. Dressel landete in St. Wolfgang, wo er 1947 starb und beerdigt wurde. Sein Grab, längst aufgelassen, zierte ein bemerkenswertes Kreuz, das sich durch unglaubliche Zufälle erhalten hat und jetzt im Literatenpark aufgestellt wird. Ein Essay des Doderer-Forschers Engelbert Pfeiffer, gelesen von Wolfgang Pfarl, zeichnet das Leben Dressels nach. Sein literarisches Portrait wird durch Ausschnitte aus Doderers Werken, gelesen von Robert Reinagl, wieder lebendig.

Sonntag, 21.Juni 2009, 11.00 Uhr  Hilde Spiel im Briefwechsel mit dem Komponisten Eric Zeisl 
Karin Wagner, Musikerin, Musikwissenschafterin und Autorin 
Detlev Eckstein, Burgschauspieler  

„Holde Freundschaften aus der Jugend kann nichts brechen!“– So Hilde Spiel im Jahre 1959 nach dem Tod des Exilkomponisten Eric Zeisl. In die eigene und in Zeisls Jugend blickt die Autorin zurück und in die Zeit literarischen wie kompositorischen Werdens. Und auch die Gegend um St. Wolfgang erfährt in Spiels Rück-Erinnerungen aus der Position der Vertreibung heraus greifbare Nähe, die der im Londoner Exil harrenden Spiel und dem in Hollywood sein Exilantendasein fristenden Zeisl während der Nazizeit zum Symbol verlustig gewordener Heimat wird. Die jüngst erschienene Briefedition zu Eric Zeisl („…es grüsst Dich Erichisrael“, Karin Wagner, Czernin Wien), deren Hauptader der größtenteils unveröffentlichte Briefwechsel Zeisl-Spiel darstellt, gewährt berührende Einblicke in Leben und Werk beider Künstler. Detlev Eckstein liest aus den Briefen, Passagen daraus lassen auch „Abzweigungen“ zu Zeisls Musik und Spiels Texten zu. Barbara Zeisl-Schoenberg und Felix de Mendelssohn, die „Kinder“ beider Exilanten, werden als Gäste Gesprächspartner sein. Moderation: Karin Wagner.

DIE ZUKUNFT AKTIV BELEBEN. VERGANGENHEIT ALS SPRUNGBRETT. NICHT ALS SOFA.

Mit „Wolfgangsee Literatur“ sollen auch zukünftig literarische Aktivitäten rund um den Wolfgangsee gesetzt werden. Neben Lesungen renommierter Persönlichkeiten aus dem Werk der „Wolfgangsee“-Literaten und jährlich stattfindender Literaturtage und Symposien, haben auch angehende Schriftsteller die Möglichkeit, ihr Schaffen der Öffentlichkeit zu präsentieren. Der Literatenpark am Wolfgangsee, eine vom Künstler Prof. Josef Symon gestaltete Parkanlage mit Denkmäler von Alexander Lernet-Holenia, Leo Perutz und Hilde Spiel, ist die Heimstätte dieser Aktivitäten.